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Performance
In seinen Performances lässt sich Erik Dettwiler auf die vorgefundenen
Unstimmigkeiten ein, die er zuvor mit seiner Fotokamera festgehalten
hat. Seine Aktionen sind relativ unspektakulär: In »Potemkin'sche«
fliegt er über die historisch beladene Potemkin-Treppe in Odessa
und gleitet damit über die Geschichte und das berühmte Zitat
aus Eisensteins Film „Panzerkreuzer Potemkin“ hinweg,
eine minimale Geste, die mit Vorstellungen und Spiegelungen spielt
und die geschichtsträchtige Treppe in ihrer heroischen Monumentalität
im Wirrwarr des modernen Odessa selbst als 'Potemkin‘sches Dorf'
aufscheinen lässt. Überlegungen zur Neu-Besetzung
von öffentlichen Räumen liegen auch seiner Aktion »Protest«
zugrunde: Einsam trägt der Künstler ein unbeschriftetes
Schild durch einen leeren Raum, gleichsam ein stummer Protestmarsch,
der durch die plötzliche Verfügbarkeit der unbeschriebenen
Fläche darauf aufmerksam macht, wie sehr der öffentliche
Raum normalerweise durch schriftliche Botschaften jeglicher Art besetzt
ist. Erik Dettwiler schafft mit seiner Choreografie des Protests –
die auch eine Hommage an den Friedensaktivisten Max Dätwyler
ist – eine Projektionsfläche, eine einsame Bühne in
den Strukturen des urbanen Umfelds, die jede/n auch auffordert, seine
Verfügbarkeit zu überdenken und eigene Visionen zu entwickeln.
Video
Wenn Erik Dettwiler in seinen Stadtwanderungen die Architektur, Geschichte
und Topografie fremder Metropolen erforscht, nähert er sich in
seinen dokumentarisch anmutenden Videos den Orten über ihr soziales
Umfeld. In Kiev filmte er eine Museumskuratorin, eine Wirtschaftsanwältin,
eine politische Aktivistin und eine Filmkritikerin bei Aussagen über
das Leben in ihrer Stadt, was zugleich die Situation der Frauen im
Postkommunismus beleuchtet. Oder er nähert sich mit der Kamera
einem Fest, einer Menschenansammlung auf einem Platz.
Die Plattform, die Erik Dettwiler dabei schafft, spiegelt unvermutet
seine eigene Arbeit, fast synchron erscheinen Handlungsstränge
seiner Performance "Traffic", bei der er alleine verwaiste
öffentliche Räume durchmisst, und die zufällig angetroffenen
Bewegungen von Passanten. Er unterlässt es jedoch, die fragmentarischen
Stadtansichten zu einem Bild zusammenzuführen und Kohärenz
vorzuführen. Viel lieber fokussiert er auf die splitterhaften
Realitäten der Protagonisten in den vorgefundenen Strukturen
und lässt damit dem Betrachter Raum zum eigenen agieren.
Gabrielle Boller, 2004
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